Häufige Fehler und Irrtümer in der Hundeerziehung





Signale
Motivation
Wiederholungen
Konsequenz
Spiel mit dem Hund
Bestrafung
Clickertraining
Die folgenden aufgeführten Punkte sollen lediglich einen kurzen Einblick in die "Kommunikationsprobleme" zwischen Hund und Halter geben und wir hoffen, dass wir Ihnen hiermit ein paar Denkanstöße geben konnten.

Signale
Wir Menschen neigen oft dazu, unsere Hunde mit regelrechten Wortschwallen zu bombardieren. Ein Hund kann damit nicht viel anfangen, somit ist es wichtig, sich auf EIN Signal für EINE bestimmte Aktion oder das, welches er noch erlernen soll, zu beziehen. Ein "Hier" bedeutet, dass der Hund sofort zu uns kommen soll. Wie oft haben wir Kommentare wie "Komm doch mal her", "Ich habe hierhin gesagt", "Bei Fuß" oder "Ich habe Dir doch gesagt, dass ..." zu hören bekommen, obwohl dem Hund solche Sätze völlig unverständlich sind, deshalb dürfen wir uns nicht wundern, das darauf keine Reaktion erfolgt.

Es ist nicht wesentlich, wie sie eine "Handlung" benennen, sondern das Sie immer bei diesem Wort/Zeichen ohne Umschweife bleiben. Dabei ist auch zu bemerken, dass Sie Situationen immer überblicken und im Vorfeld handeln sollten, bevor Ihr Hund Ihnen diese Entscheidung abnimmt.



Zudem sollten Sie Ihren Hund nicht überfordern, indem Sie von ihm vorerst für seinen Ausbildungsstand noch Unmögliches abverlangen.

Ein Beispiel:
Zwei Welpen spielen miteinander. Nun möchten Sie aber, dass Ihr Welpe zu Ihnen kommt. Natürlich steht der Reiz des Miteinander Spielens Ihres Welpen dagegen. Deshalb sollten Sie NIE den Hund herausrufen, wenn es aussichtslos ist, denn er würde sich in den meisten Fällen für das Weiterspielen entscheiden und er lernt gleichzeitig dabei, dass man auf das Rufen nicht kommen muss.
Passen Sie eine günstige Gelegenheit ab, wo der Hund Sie anschaut oder knistern Sie mit einer Tüte. Macht er sich auf den Weg, geben Sie ihm dann das Hörzeichen und feuern ihn noch dabei an oder hocken sich hin. Auch da ist noch eine weitere Falle, denn viele Halter sind froh, Ihren Hund auf sich aufmerksam gemacht zu haben und leinen ihn an. Der Hund dagegen lernt aber, wenn ich komme, werde ich jedes Mal angeleint und ich darf nicht mehr weiterspielen. Folglich verknüpft er dies negativ, deshalb: Nutzen Sie ab und zu die Gelegenheiten, wenn der Hund kommt, halten Sie ihn fest, loben Sie ihn dafür und geben ihn dann wieder mit "Lauf" frei.

Motivation
Wenn der Hund in der Lernphase ist, also gerade dabei ist, bestimmte Signale mit der dazugehörigen Handlung zu verknüpfen, sollten sie ihn dafür im richtigen Moment bestärken.


Viele Menschen sind sehr passiv in ihren Äußerungen, aber es ist von wesentlicher Bedeutung, auch die richtige Stimmlage und Körperhaltung mit einfließen zu lassen. Man hat die richtige Stimmlage zur Belobigung des Hundes gewählt, wenn einen die Entgegenkommenden verdutzt ansehen. Trauen Sie sich einfach!
So erkennt der Hund auch sehr schnell den Unterschied zwischen erwünschtem und unerwünschtem Verhalten. Zudem verschwimmt das "Fein" mit einem "Nein" sehr oft. Bedenken Sie bitte, was ein Nein bedeutet, eine Androhung auf eine Strafe, wenn sich der Hund nicht daran hält! Somit sollte dieses Wort sehr dosiert eingesetzt werden und auch wirklich nur dann angewandt werden, wenn sie es auch so meinen. Ein Nein hat in der Ausbildung rein gar nichts zu suchen, was der Hund macht oder nicht macht, ist lediglich falsch.

Wiederholungen
Denken Sie immer daran, dass Ihr Hund beim ersten Signal reagieren soll. Das ist das Ziel.
Die Praxis zeigt, dass in den Anfängen schon falsch an diese Thematik herangegangen wird, indem ein Hörzeichen mehrmals gegeben wird, obwohl der Hund schon im Begriff ist, sich bspw. Hinzusetzen und der Hund mit Wiederholungen regelrecht bei dieser Aktion begleitet wird. Nicht selten lassen Hundehalter entschuldigend verlauten: "Der ist erst 6 Monate, der hört noch nicht", ohne sich bewusst zu sein, dass sie gerade dabei sind, den Hund auf die Wiederholungen zu konditionieren. Ganz verheerend ist dann noch, den Hund bei der 6-maligen Aufforderung noch für dieses Verhalten zu belohnen. Haben Sie sich schon einmal gefragt, ob Sie auch so handeln würden, wenn Ihr Kind eine 6 schreiben würde? Nein? Also, warum belohnen Sie dann Ihren Hund dafür? Meinen Sie wirklich, der Hund hätte jemals eine Veranlassung, beim ersten Mal zu reagieren, wenn es bei der 6. Aufforderung auch noch eine Belohnung gibt?

Konsequenz
Ein ganz grober Fehler ist, gar nicht auf die Ausführung zu bestehen. Dadurch lernt der Hund natürlich, dass dies kein Muss ist, sondern ein "good will" seinerseits und Sie werden feststellen, dass sich dieses sehr schnell einprägen wird, was oftmals mit dem Kommentar "Der ist stur" oder "Der will mich ärgern" argumentiert wird.

Sie erziehen somit Ihren Hund selber zum Ungehorsam, auch wenn dies in für Sie nicht so wichtigen Situationen stattfindet (z. B. "Sitz" in der Wohnung), wird der Hund dieses auf jedes Umfeld beziehen. Warum sollte er auf dem Spaziergang auf ein "Hier" reagieren, wenn er in der Wohnung das "Sitz" nicht befolgen muss?

Spiel mit dem Hund
Manchmal haben wir die Bitte an die Hundehalter herangetragen, dass sich jedes Mensch-/Hund-Team für ein paar Minuten miteinander beschäftigen soll. Nicht allzu oft war Ratlosigkeit angesagt.
Lernen Sie, sich mit Ihrem Hund zu beschäftigen und lassen Sie Spaziergänge nicht in einem langweiligen Nebenhertrotten ausarten, sondern machen Sie diesen zu einer Abenteuerreise für Sie und Ihren Hund.
Dabei geht es um das Miteinander, was dem Hund projizieren soll, dass es interessant ist bei Ihnen und dass Sie unkalkulierbar sind (man könnte etwas verpassen), so dass er keine Veranlassung sehen wird, sich anderweitig zu orientieren.

Bestrafung
Eine antiautoritäre Erziehung ist nicht möglich. Wie oft wird man als "Softie" abgestempelt, wenn man von den modernen Erziehungsmethoden spricht. Dies ist jedoch ein Irrtum, denn es besagt in keinem Fall, dass man nicht konsequent sein soll.
Lob und Konsequenz müssen in einem ausgewogenen Verhältnis zueinander stehen, denn nur dann ist gewährleistet, dass man die Anerkennung seines Hundes erhält. Wir wollen keinen gebrochenen Hund, sondern einen Hund, der gerne und aufmerksam folgt und das werden sie mit Zwang nicht erreichen. Durch Zwang baut der Hund Meideverhalten auf, was ein eindeutiges Indiz für Vertrauensverlust ist.


Je klarer sie sich Ihrem Hund verständlich machen, desto souveräner werden Sie vor ihm erscheinen. Anhand der Verhaltensweisen von Hunden ist sehr gut ersichtlich, wie und wann überhaupt auf Fehlverhalten reagiert wird. Führerschaft bedeutet Ruhe, Souveränität, Überlegenheit und Ausgeglichenheit.

Clickertraining
Oftmals haben wir Hundehalter gesehen, die auf dem Spaziergang – mit einem Clicker ausgestattet – Ihren Hund heran "clicken". Das ist natürlich nicht der Sinn des Clickertrainings, was diese Hundehalter auch selber sehr schnell merken und der Clicker wird als "untauglich" zur Seite gelegt.

Das liegt aber daran, dass das Clickertraining nicht verstanden wurde.

Clickertraining bedeutet, dass der Hund uns ein erwünschtes Verhalten zeigt und wir ihm dies im richtigen Moment bestärken mittels Click & Belohnung.
Dazu ist es aber notwendig, dass der Hund erst einmal eine Verknüpfung zu dem Clicker herstellt. Das heißt, er muss zuallererst darauf konditioniert werden, um dann anschließend mit leichten Übungen beginnen zu können, wie z. B. ein Lineal zu berühren, sich auf die Seite zu legen, einen anzuschauen, den Kopf zur Seite zu drehen usw. Gerade für den Halter ist dies erst einmal ein Lernprozess.
Der Hund ist oftmals bei den ersten Malen frustriert, legt sich hin, fängt an zu jammern, gähnt, zeigt also alle Facetten von Übersprungshandlungen, denn auch er ist im Vorfeld damit überfordert, verlangen wir doch nun von ihm das Gegenteil davon, was er gelernt hat. Gehen Sie deshalb anfangs in kurzen Etappen vor und legen große Pausen ein. Er hat gelernt, auf unsere "Aktionen" zu reagieren, nun möchten wir von ihm das Gegenteil. Er soll uns eine gewünschte Handlung zeigen, ohne dass dies vorher von uns kommentiert worden ist. Seien Sie bitte geduldig und lassen Ihren Hund die Zeit, die er dafür benötigt, diese für ihn neue Lernmethode umzusetzen.
Hat es dann "geclickt", wird es Ihnen und Ihrem Hund umso mehr Spaß bereiten und Sie werden erstaunt sein, welche Lernbereitschaft Ihr Hund zeigen wird. Bitte machen Sie nie den Fehler, den Hund zu bestrafen, zeigt er nicht das gewünschte Verhalten, ignorieren Sie dies schlichtweg und werden Sie nicht ungeduldig oder ungehalten, denn auch da liegen oftmals die Verständigungsprobleme beim Halter.